Hissar, Tadschikistan

Es gab eine Region, die in der frühen Jungsteinzeit etwa 2000 v.Chr. besiedelt war und eine eigene Zivilisation entwickelt hatte, welche man Hissar-Kultur nennen kann. Diese Region ist die heutige Stadt Hissar, sie liegt in einem dicht besiedelten und furchtbaren Tal, der nach der Stadt Hissartal benannt wurde. Dank der Lage von Hissar ist das Klima kontinental. Sie und das gleichnamige Hissar-Tal liegen 35 km von Duschanbe entfernt. Erst im 18. Jahrhundert wurde hier die Hissar-Festung errichtet und im 19. Jahrhundert weiter ausgebaut. Die Festung war der Sommersitz der Emire von Buchara und gehört zur haupttouristischen Attraktion dieser Region. Das Wort „Hissar” stammt von dem arabisch-türkischen Wort „hisar” und bedeutet „Festung”.

gissar

Dieser historischen Festungsanlage gehörten die Festung selbst mit ihren Toren und zylinderförmigen Türmen, ein Gebäude für die Wache, ein Gefängnis, die Medresen Kuchna und Naw, ein Mausoleum mit Grabmälern, die Karawanserei, sowie eine Bibliothek und der Masar Machdum-e Asam. Machdum-e Asam war ein Ehrentitel des Scheichs Ahmat im 16. Jahrhundert. Die Gebäude zeichnen sich durch ihre zentralasiatische Architektur und traditionellen Verzierungen. Von hier aus bewundert man einen erstaunlichen Blick auf die Hissar-Berge und das fruchtbare Hissar-Tal.

Von der Anlage der uralten Festung sind heute noch die bis zu einem Meter dicke Festungsmauer und das grosse Eingangstor gut erhalten. Das Eingangstor besteht aus zwei konischen Türmen, die den Eingangsbogen einrahmen. Vor dem Eingangstor öffnet sich ein Blick zum Registan-Platz. Auf einer Seite dieses Platzes stehen zwei Medresen: eine ältere zweistöckige aus dem 18. Jahrhundert und eine jüngere zerstörte aus dem 19. Jahrhundert. Die ältere Medrese fällt mit ihrem grossen Innenhof auf und verfügt über Eingänge zu chudschr (zellenartige Räume). Bis Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergte sie rund 100-150 Koranschüler. Später wurde in der älteren Medrese eine Bibliothek und ein Museum errichtet. Im Museum sind Keramik und Schmuck, sowie lokale Kleidungsstücke ausgestellt, welche noch heute für die Reisenden interessant sind.

Es gibt zahlreiche Legenden über die Festung, die von Einwohnern erzählt werden. Eine besagt, dass die Festung von Afrosiab zum Schutz vor Rustams Armeen gebaut wurde (beide sind berüchtigte Helden von Firdausis "Shachname“). Nach einer anderen Legende kam der rechtschaffene Kalif Ali mit seinem Pferd Duhl-Duhl zu diesen Orten, um den Islam zu predigen und campte auf einem Berg, der heute Роi-Duhl-Duhl genannt wird und westlich von Hissar liegt. Als Ali den Weg vom Berg zur Festung durchfahren hatte, wurde sofort von jemandem erkannt, gefangen und eingesperrt. Jedoch hat sein edles Ross ihn zum Schwert Zulfikars gebracht. Mit Hilfe des Schwertes gelang es ihm, alle seine Feinde darunter auch den bösartigen Zauberer zu besiegen, der damals die Festung besass. Zwei riesige 500 bis 700 Jahre alte Platanen stehen in der Nähe der Festung.

Bei einer Rundreise in der Region erkunden Sie ganz nahe dem Dorf Madm an zwei verschiedenen Stellen freigelegte Gebäudereste von Gardani Hissar: auf einer Hochebene eine dörfliche Siedlung und drüber auf einem Berggipfel ein in zwei Ebenen angelegter Repräsentationsbau aus dem 6-8. Jahrhundert; ein hinsichtlich seiner Anlage in Zentralasien einmaliges Bauwerk. Dass die Architekten des Palasts ihr Wissen und ihre Erfahrung zu nutzen verstanden, zeigen die Übereinstimmungen wesentlicher Bauelemente mit anderen sogdischen Gebäuden, z.B. in Pendschikent. Durch ihren Stil unterscheidet sich die Festung von den anderen bekannten Baudenkmälern dieser Region. Ihr Eingangstor und ihre Räumer für die Wache befanden sich auf einer Ebene, während die eigentlichen Fest- und Repräsentationssäle sowie Dienst- und Wirtschaftsräume auf einer etwa drei Meter höheren Plattform lagen.

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