Tatew, Armenien

Das Tatew Kloster ist eines der spektakulärsten touristischen Ziele in Armenien. Die Reise nach Tatew bietet die einmalige Möglichkeit, sowohl das Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur zu bewundern, als auch in die fabelhafte Natur der Syunik Region einzutauchen.

tatev

Indem der Klosterkomplex sich auf einem grossen Basaltplateau erstreckt, fügt es sich harmonisch in die herrliche Landschaft ein und erweckt den Eindruck, als wären die Mauer des Klosters die natürliche Verlängerung des Berges, der ihn so hoch erhebt.

Es gibt einige Versionen, nach denen das Kloster seinen Namen erhielt. Das eine stammt aus Eustateus, einem Schüler des heiligen Apostels Thaddeus, der predigte und für seinen Glauben in der Syunik Region getötet wurde. Die andere Version ist mit der Konstruktion der Hauptkirche verbunden. Es gibt eine Legende, nach der der Lehrling versuchte, das Kreuz auf die Spitze der Kirche zu legen. Danach gelang es ihm nicht, von oben herunterzukommen und plötzlich verlor er sein Gleichgewicht und fiel in die tiefe Schlucht hin. In diesem Moment rief er: "Togh Astvats indz ta tev", was bedeutet "Möge Gott mir Flügel geben".

Die Reise nach Tatew ist entweder mit dem Verkehrsmittel oder "durch die Luft" möglich. Seit 2010 wurde die „Wings of Tatew - Flügel von Tatew“, eine Seilbahn vom Halidzor Dorf nach Tatew eröffnet. Die Fahrt über das Vorotan-Tal dauert 12 Minuten und bietet eine atemberaubende Vogelperspektive auf die Schlucht. Die "Luftseilbahn" wurde als längste Non-Stop-Doppelgleis-Seilbahn der Welt in den Guinness-Weltrekord aufgenommen.

Das grosse befestigte Kloster wirkt besonders eindrucksvoller von weitem. Es wurde als Verteidigungsanlage auf einem Felsvorsprung mit Blick auf die Vorotan Schlucht errichtet. Die massiven Mauern schützen das Kloster von Norden und Westen. Der Klosterkomplex besteht aus drei Kirchen. Der riesige Komplex umfasst einen Speisesaal, eine Bibliothek, einen Glockenturm, ein Mausoleum, Gewölbe und Tiefbaukonstruktionen. Die Kirche St. Paul und Peter ist die älteste, grösste und noch erhaltene Konstruktion innerhalb des Komplexes, die den beiden Aposteln von Christ gewidmet ist. Die weiteren zwei Kirchen tragen die Namen St. Gregor der Erleuchter und St. Maria - die Muttergotteskirche.

Der Klosterkomplex hat während der Invasionen und Erdbeben erhebliche Schäden erlitten. Im 10. Jahrhundert, fast tausend Jahre bevor der moderne Seismograph erfunden wurde, bauten die armenischen Mönche, die im Tatew-Kloster lebten, eine Säule, um die Erdbeben vorauszusehen. "Gavazan", was einen Hirtenstab des Geistlichen bedeutet, hatte eine drehbare Basis. Die Säule schwankte, als der Boden zu vibrieren begann. Es ist eine einzigartige Darstellung der armenischen Architektur- und Ingenieurkunst. Das Acht-Meter-Monument aus kleinen Steinen und einem Khachkar (Kreuzstein) auf der Spitze ist eine besondere Attraktion des Klosters, obwohl es sich heute im Falle der Erschütterungen nicht mehr neigt.

Das Tatew Kloster wurde zwischen 9.-13. Jahrhunderten an der Stelle des heidnischen Tempels erbaut. Es war eines der berühmtesten spirituellen, pädagogischen und wissenschaftlichen Zentren des Mittelalters und diente als Bischofsresidenz in der Syunik Region. Tatew war ein mächtiger und einflussreicher Klosterkomplex, der ausgedehnte Landstriche und eine grosse Anzahl von Dörfern besass. Es spielte auch eine aktive Rolle in der Entwicklung der Wissenschaft und Kunst in den 14.-15. Jahrhunderten und bewahrte Tausende von wertvollen Manuskripten. Die Tatew-Universität war das wichtigste armenische Zentrum für das Lernen. Es trug zur Vervielfältigung von Büchern und zur Entwicklung der Miniaturmalerei bei.

Im Allgemeinen ist die Reise nach Tatew voller unvergesslicher Eindrücke und kultureller Erlebnisse.

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